In einem Statement zur geplanten Honorarkürzung für ambulante Psychotherapie spreche ich zu einem innenpolitischen Thema Deutschlands, das mit meiner Arbeit im Europäischen Parlament an sich wenig zu tun hat, mich aber tief bewegt und – offen gesagt – richtig wütend macht.
In einer Zeit, in der unser gesellschaftlicher Zusammenhalt ohnehin immer brüchiger wird, ist dieses Vorhaben ein fatales Signal. Denn gerade die gestiegenen Kosten und die wachsende Nachfrage nach psychotherapeutischer Hilfe spiegeln nichts anderes wider als den seelischen Zustand unseres Landes. Und der ist alles andere als stabil.
Immer mehr Menschen leiden unter sozialer Unsicherheit, Zukunftsängsten, Armut, dem Rückbau sozialer Sicherungssysteme und einem ungesunden Zwang zur Selbstoptimierung, wie ihn der neoliberale Geist propagiert. Immer stärkerer Leistungsdruck, ein Schulsystem, das viele abgehängt zurücklässt, unkontrollierter Medienkonsum bei Jugendlichen, Einsamkeit in allen Altersgruppen – all das sind Symptome einer Gesellschaft in der Dauerkrise, die Menschen vereinzelt und krank macht.
Gerade in so einer Situation erweist sich unser Gesundheitssystem leider erneut als dysfunktional: Statt Versorgungslücken zu schließen und psychische Gesundheit aufzuwerten, wird wieder einmal dort gekürzt, wo „nur“ menschliches Leid gelindert wird. Die Honorarkürzung für ambulante Psychotherapie ist Ausdruck einer völlig fehlgeleiteten Prioritätensetzung. Angesichts der realen Not, in der sich viele Patientinnen und Patienten – aber auch die Behandlerinnen und Behandler – befinden, ist diese Maßnahme nicht nur fachlich falsch, sondern auch ein Schlag ins Gesicht all jener, die täglich für das seelische Wohl unserer Gesellschaft arbeiten.
Statt endlich konsequent in soziale Sicherheit und ein menschenfreundliches Gemeinwesen zu investieren, werden diejenigen bestraft, die ohnehin schon unter Druck stehen. Dagegen wünschen wir uns ein Gesundheitssystem, in dem Fürsorge zählt und nicht die kurzfristige Bilanz. Ich kann Ihnen versichern: Ich stehe an Ihrer Seite – und auch das Bündnis Sahra Wagenknecht steht an Ihrer Seite.
Allen, die sich jetzt gegen diese Kürzungen engagieren, wünsche ich von Herzen viel Kraft und Durchhaltevermögen. Lasst uns gemeinsam für ein solidarisches und menschenwürdiges Gesundheitssystem kämpfen, in dem psychische Gesundheit endlich den Stellenwert bekommt, den sie verdient.