Rückblick auf die Panel-Diskussion im Europäischen Parlament vom 4. Februar 2026

Auf Initiative von Prof. Dr. Jan-Peter Warnke (fraktionsloses Mitglied des Europäischen Parlaments, BSW) fand am 4. Februar 2026 eine Panel-Diskussion im Europäischen Parlament zum Thema „Medizinische Krise in Gaza. Blockade von EU-Hilfe für medizinische Zwecke – Evakuierung oder Behandlung vor Ort?“ statt.

Eingeladen waren hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der EU-Institutionen sowie renommierte Mediziner mit direkter Erfahrung im Gazastreifen. Die Veranstaltung beleuchtete die dramatische humanitäre Lage und diskutierte konkrete Lösungsansätze.

Das zentrale Problem: 20.000-30.000 Verletzte benötigen dringend medizinische Behandlung. Während medizinische Evakuierungen nach Europa eine Option darstellen, wird die Versorgung vor Ort durch israelische Blockaden massiv behindert. Medizinische Hilfsgüter – Medikamente, chirurgische Instrumente, Titanplatten – werden als „Dual Use“-Güter an der Grenze zurückgehalten. Die EU-finanzierten Container mit dringend benötigter Ausrüstung stehen bereit, können aber nicht in den Gazastreifen gelangen.

Die Expertinnen und Experten waren sich einig: Ohne Aufhebung der Blockade drohen weitere vermeidbare Todesfälle und dauerhafte Behinderungen. Maria Zuber (GD ECHO) berichtete: Über den EU-Zivilschutzmechanismus wurden bisher 1.540 Personen (417 Patienten, 1.100 Begleitpersonen) in 13 EU-Staaten evakuiert – bei über 18.500 Wartenden. 5.500 Tonnen Hilfsgüter stehen bereit, können aber oft nicht geliefert werden.

Béatrice Miège (GD ECHO) bezifferte die EU-Hilfe auf 550 Mio. Euro seit Oktober 2023. Die Bilanz ist erschütternd: 60% der Gesundheitseinrichtungen sind zerstört, über 800 Angriffe auf medizinische Einrichtungen dokumentiert, fast 1.000 Gesundheitspersonal getötet. Das kürzlich verhängte Verbot für 37 NGOs, darunter Ärzte ohne Grenzen, verschärft die Lage dramatisch.

Dr. Raed Arafat aus Rumänien berichtete von 11 Evakuierungsmissionen mit 416 Personen, vor allem Kindern. Rumänien nimmt europaweit eine Vorreiterrolle ein und plant weitere Missionen.

Dr. Graham Groom, orthopädischer Chirurg aus London, war über 40 Mal im Gazastreifen. Seine eindringliche Schilderung: 72.000 Tote, über 100.000 Verletzte. Er beschrieb das „Fließband verstümmelter Körper“ und kritisierte scharf, dass selbst unter „Waffenstillstand“ weiter bombardiert wird. Seine klare Botschaft: Lokale Behandlung wäre kostengünstiger und effektiver als Massenevakuierung, doch fehlt es an Ausrüstung. „Dies ist kein Krieg, sondern Massenmord und Verstümmelung.“

Ein zentrales Fazit der Diskussion: Evakuierung und Behandlung vor Ort sind keine Alternativen, sondern müssen Hand in Hand gehen. Die kostengünstigste und effektivste Lösung wäre die Wiederherstellung der lokalen Behandlungsmöglichkeiten – doch dafür müssen die Blockaden fallen.

Prof. Dr. Jan-Peter Warnke kündigte an, nach erfolglosen Schreiben an Außenminister Wadephul und EU-Außenbeauftragte Kallas nun direkt die Kollegen in der Knesset um Unterstützung zu bitten. Seine Botschaft: „Wer ein Mensch ist im 21. Jahrhundert, sollte nicht in der Lage sein, vor diesen Geschehnissen die Augen zu verschließen.“

Kernforderungen der Diskussion:

  • Aufhebung der Blockade medizinischer Hilfsgüter
  • Beendigung der Bombardierungen und Einhaltung des Waffenstillstands
  • Zugang für humanitäres Personal und NGOs
  • Wiederaufbau der Gesundheitsinfrastruktur vor Ort
  • Freilassung inhaftierter Ärzte aus israelischen Gefängnissen

Panel-Diskussion im Europäischen Parlament

Die Veranstaltung brachte Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen zusammen, um die medizinische Krise aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten – die vollständige Aufzeichnung finden Sie unten.

Teilnehmende Experten:

  • Maria Zuber, Referatsleiterin „Notfallmaßnahmen“ (ECHO A.1), Generaldirektion Europäischer Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (GD ECHO)
  • Béatrice Miège, stellv. Referatsleiterin „Naher Osten und Nordafrika“ (ECHO C.2), GD ECHO
  • Dr. Raed Arafat, Staatssekretär im Innenministerium, Rumänien
  • Dr. Graham Groom, orthopädischer Chirurg, King’s College Hospital London, und Gründer IDEALS charity
  • Dr. Belal Azaam, pädiatrischer Chirurg, Al Khalidi Hospital, Amman, Jordanien (konnte aufgrund technischer Probleme nicht zugeschaltet werden)

Zur Aufzeichnung der Diskussion:

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