In meiner aktuellen Rede im Plenarsaal am 18. Mai 2026 richte ich den Blick auf den Critical Medicines Act und die Schwierigkeit, Gesundheitssysteme zu stärken, wenn die Versorgung mit essenziellen Arzneimitteln an fundamentalen Schwächen leidet. Ich kritisiere die wachsende Abhängigkeit Europas von außereuropäischen Wirkstofflieferanten – besonders aus China und Indien – und warne davor, dass diese Abhängigkeiten nicht nur Versorgungskrisen auslösen, sondern unsere Freiheit, medizinische Grundrechte durchzusetzen, massiv einschränken.
Die Kommission setzt ambitionierte Ziele: Ausbau der Produktion innerhalb der EU, gemeinschaftliche Beschaffung und strategische Beschaffungsvorräte – Maßnahmen, die dringend notwendig, doch in ihrer Umsetzung und Finanzierung hochgradig umstritten sind. Es drängt sich der Eindruck auf, dass viele Vorschläge eher technokratisch als wirklich gesundheitsalltagstauglich formuliert sind – oft ohne Rücksicht auf die Belastungen für kleine Hersteller oder auf notwendige Sozialpolitik zur Absicherung von Patientinnen und Patienten.
Ich fordere folgenden Kurswechsel: Gesundheit ist keine Ware und Arzneimittel sind keine Luxusgüter. In einem Europa in Krisen – ob wirtschaftlich, geopolitisch oder gesundheitlich – muss der universelle Zugang zu Medikamenten uneingeschränkt gewährleistet sein. Das heißt konkret: mehr öffentliche und gemeinschaftliche Produktionszentren, staatliche Investitionsprogramme, die nicht nur Profitinteressen dienen, sondern das Wohl der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellen. Tarife und Rechte der Beschäftigten im Gesundheitsbereich dürfen unter dem Druck neoliberaler Marktmechanismen nicht weiter erodieren.