In einem zweiten Zusatz zur 46. Folge von „Moin & Glück Auf!“ melde ich mich aus Brüssel und greife noch einmal die Rückmeldungen auf, welche mich zur Frage erreicht haben, wie sich die Europäische Union in den kommenden zehn Jahren entwickeln soll. Nachdem bereits deutlich geworden ist, dass viele Menschen vor allem innere Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität und eine verlässliche Zukunft für Europa erwarten, zeigt die weitere Auswertung der Antworten ein noch grundsätzlicheres Problem: Das Vertrauen in die Europäische Union ist bei vielen Bürgerinnen und Bürgern tief erschüttert.
Ich mache deutlich, dass zahlreiche Menschen die EU inzwischen nicht mehr als hilfreiche politische Gemeinschaft wahrnehmen, sondern als abgehobenen, bürokratischen Apparat, der den Alltag eher komplizierter als einfacher macht. Viele empfinden Brüssel als weit entfernt von den tatsächlichen Sorgen der Bürgerinnen und Bürger, von den Herausforderungen der Betriebe, der Arbeitnehmer und der Familien. Dieses Unwohlsein nehme ich ernst, denn es verweist auf eine Entwicklung, die nicht einfach mit noch mehr Programmen, Verordnungen oder zentralistischen Eingriffen beantwortet werden kann.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, warum die Europäische Union heute von vielen so kritisch gesehen wird. Ich erkläre, dass sich die EU aus meiner Sicht immer weiter von ihren ursprünglichen Gründungsideen entfernt hat. Europa war einmal vor allem ein Friedensprojekt, getragen von dem Versprechen: Nie wieder Krieg. Dieses Versprechen war der Kern der europäischen Zusammenarbeit. Heute aber erleben viele Menschen eine Union, die zunehmend zentralisiert, reguliert und sich in immer neue politische Felder ausdehnt, während der ursprüngliche Gedanke von Frieden, Zusammenarbeit und Wohlstand in den Hintergrund zu geraten scheint.
Dabei betone ich, dass es verfassungsmäßige und politische Veränderungen bräuchte, um die Europäische Union wieder stärker auf ihre eigentliche Aufgabe auszurichten. Eine EU, die Vertrauen zurückgewinnen will, muss sich fragen, ob sie den Menschen dient oder ob sie sich immer weiter von ihnen entfernt. Sie muss weniger bürokratisch, weniger bevormundend und wieder näher an den Interessen der Bürgerinnen und Bürger sowie der Mitgliedstaaten handeln.
Zum Abschluss mache ich deutlich, dass ich die Sorgen und die Kritik vieler Bürgerinnen und Bürger sehr gut verstehen kann. Die Rückmeldungen zeigen, wie groß das Unbehagen gegenüber dem derzeitigen Kurs der Europäischen Union geworden ist. Ich werde die Antworten weiter auswerten und auch künftig darüber berichten, welche Erwartungen, Kritikpunkte und Hoffnungen die Menschen mit Blick auf die Zukunft Europas formulieren.