In einer neuen Folge von „Moin & Glück Auf!“ melde ich mich aus Brüssel und spreche anlässlich des Weltfriedenstages über die historische Verantwortung Europas. Vor zwei Tagen, am 1. September, jährte sich der Beginn des Zweiten Weltkriegs durch den deutschen Überfall auf Polen. Ich erinnere daran, wohin Nationalismus, Hass und Krieg führen können: zu millionenfachem Leid, zerstörten Ländern und einem Europa in Trümmern. Zugleich mache ich deutlich, dass aus genau dieser Erfahrung die europäische Idee entstanden ist.
Im Mittelpunkt steht für mich die ursprüngliche Friedensidee Europas. Ich erinnere an Robert Schuman, einen der Väter der europäischen Einigung, der bereits 1950 betonte, dass der Friede der Welt nur durch schöpferische Anstrengungen gewahrt werden könne, die der Größe der Bedrohung entsprechen. Europa, so Schumans Gedanke, entsteht nicht auf einen Schlag, sondern durch konkrete Zusammenarbeit, Solidarität und den Willen, alte Feindschaften zu überwinden. Gerade Frankreich und Deutschland, die sich über Generationen auf den Schlachtfeldern gegenüberstanden, sollten so eng miteinander verbunden werden, dass ein neuer Krieg zwischen ihnen nicht nur undenkbar, sondern praktisch unmöglich wird.
Ich ordne ein, warum diese Erinnerung heute aktueller ist denn je. Europa darf seinen Erfolg nicht daran messen, wie viele Waffen produziert, wie viele Milliarden in Aufrüstung gesteckt oder wie militärisch stark es auftritt. Die eigentliche Stärke Europas muss darin liegen, Konflikte zu verhindern, miteinander zu sprechen, Interessen auszugleichen und diplomatische Lösungen zu suchen, auch und gerade mit Blick auf den Krieg in der Ukraine.
Zum Abschluss betone ich, dass Frieden niemals von selbst entsteht. Er braucht politischen Willen, Vernunft und manchmal auch den Mut, mit denen zu reden, mit denen es besonders schwierig ist. Frieden wird nicht zwischen Engeln gemacht. Deshalb rufe ich dazu auf, sich wieder stärker auf die Ursprungsidee Europas zu besinnen: ein Europa, das Frieden schafft, Verständigung ermöglicht und alles dafür tut, dass Krieg niemals wieder zum normalen Mittel der Politik wird.